5. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Jesus nachfolgen
Wochenspruch: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Epheser 2,8

Samstag: Wochenspruch

Glaube ist nicht machbar. Ich kann mich zum Glauben entschließen, aber ich kann ihn nicht bewirken. Glaube ist Vertrauen. Vertrauen braucht Entschlüsse, aber es entsteht nicht durch Entschlüsse. Der Entschluss führt dazu, sich anzuvertrauen, aber sich anzuvertrauen ist nur Rahmenbedingung des Vertrauens, nicht aber die Substanz des Vertrauens selbst. Vertrauen entsteht durch die Erfahrung der Vertrauenswürdigkeit. Als vertrauenswürdig nehmen wir das Treue und das Vertraute wahr. Es ist das Verlässliche, das Zuverlässige, das, worauf ich mich verlassen kann. „Ich verlasse mich“ bedeutet: Ich entferne mich von mir selbst, ich lasse mich los, um mich zu überlassen. Wenn ich zum Beispiel einer Person vertraue, dass sie mich auf einem Weg, den ich selbst nicht kenne, zum Ziel führt, dann überlasse ich mich ihr. Vertrauen ist somit auch ein Zulassen: Ich lasse zu, dass du mich an der Hand nimmst. Ich lasse zu, dass du meinen Weg bestimmst.

Vertrauen steht keineswegs im Gegensatz zur Selbstbestimmung. Echtes Vertrauen ist vielmehr freiwilliges, selbstbestimmtes Eingehen auf eine Fremdbestimmung. Ich selbst entscheide, dass ich mich dir anvertraue, weil ich dich für vertrauenswürdig halte. Ich selbst kann diese Entscheidung auch wieder zurücknehmen, wenn sich die Vertrauenswürdigkeit nicht bewährt. Ein Vertrauen, dass nicht in dieser Freiheit gesetzt und auch wieder zurückgenommen werden kann, ist kaum echtes Vertrauen; zumindest ist es kein reifes Vertrauen. Echtes Vertrauen gerät nicht in Konflikt mit innerer Unabhängigkeit.

Die Gabe des Gottvertrauens ist immer schon vorhanden. Sie steht allen Menschen zur Verfügung. Ihr Zugang ist die immer schon vorhandene Freiheit. Jeder entscheidungsfähige Mensch kann sich zu jeder Zeit und unter jedem Umstand dazu entschließen, sich Gott anzuvertrauen oder dieses Vertrauen zurückzunehmen. Die Gabe des Glaubens will in Freiheit ergriffen sein. Dazu brauchen wir Mut. Auch der Mut ist immer schon vorhanden, aber er will geweckt und gepflegt sein. Der große Feind des Glaubens und Vertrauens ist die Entmutigung.


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