1. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Das Fundament des Glaubens
Wochenspruch: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ Lukas 10,16

Sonntag: Lukas 16,19-31 Evangelium

Jesus macht hier mehrere theologisch ziemlich anstößige Aussagen:

1. Er beschreibt Himmel und Hölle so, als könnte man da hineinschauen, um festzustellen, wie dort die Zustände sind. Der wahre Himmel und die wahre Hölle sind aber jenseitig, und das bedeutet immer: jedem menschlichen Einblick verborgen. Jesus spricht hier wie sonst auch in Bildern. Jesus erzählt Geschichten, um uns an Geheimnisse heranzuführen, die unserem irdischen menschlichen Auge verborgen bleiben müssen.

2. Jesus redet vom ewigen Schicksal dieser beiden Leute so, als komme der Arme in den Himmel, weil er arm ist, und der Reiche, weil er reich ist. Er versäumt es darauf hinzuweisen, dass nicht die Lebensumstände über Himmel oder Hölle entscheiden, sondern der Glaube. Er lässt offen, ob Lazarus ein frommer Mensch war. Ist es denkbar, dass er sogar ein Obdachloser war, der sein Leben durch eigene Schuld ruiniert hatte? Weil Jesus selbst das offen lässt, soll es wohl auch für uns offen bleiben. Klar ist jedenfalls die Aussage, dass Gott in diesem Leben erlittenes Unrecht sieht und nicht vergisst, wie auch das zugefügte Unrecht. So oder so schafft er Ausgleich: Trost für das erlittene, Strafe für das zugefügte. Der Reiche hätte helfen können und sollen, aber er tat es nicht. Wenn irgendetwas Gottes Zorn erregt, dann dies.

3. Jesus bestätigt, was der Prophet Micha prägnant formulierte: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was Gott von dir fordert“ (Micha 6,8). Es ist im Alten Testament gesagt: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Jesus sagt in der Bergpredigt nichts Neues darüber hinaus, er stellt nur fest, dass das, was gesagt ist, ernst gemeint ist. Jesus widerspricht hier ziemlich deutlich der Auffassung, man gelange erst durch die Begegnung mit einem Auferstanden zur Erleuchtung, was der Wille Gottes sei, und zur Befähigung, ihn zu tun. Weil er von seiner eigenen Auferstehung überzeugt ist, schließt er diese also hier offenbar ein. Somit heißt das zumindest: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, was Gott von dir will, und wenn dich die Kraft der Auferstehung nicht dazu bewegt, es zu tun, bildest du sie dir nur ein. Wenn du es aber weißt und tust, ist sie in dir wirksam - ob du dir dessen bewusst bist oder nicht.“ Der Rede vom Endgericht in Matthäus 25 nach scheinen sich die wahren Täter des Guten dessen eher nicht bewusst zu sein. Sie tun es einfach, weil ihnen der Wille dazu ins Herz geschrieben ist. Es ist selbstverständlich für sie.



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