Exaudi
Leitmotiv: Die wartende Gemeinde
Wochenspruch: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32

Mittwoch: Jeremia 31,31-34

Wenn Gott Israel auch an der Hand genommen hat, um es zu retten, und wenn diese Rettung auch, allerdings mit viel Mühe, gelungen ist, so hat er damit doch sein eigentliches Ziel noch nicht erreicht: dass nicht nur er den Bund hält, den er mit Israel geschlossen hat, sondern auch Israel. Darum kündigt Jeremia den neuen Bund an.

Der theologische Begriff für „neuer Bund“ ist „neues Testament“. Diesem Text zufolge ist das Neue Testament die Bezeugung und theologische Bestimmung der Herzensbeziehung zwischen Mensch und Gott. Wir bejahen die Verbindung mit Gott von ganzem Herzen. Es steht nichts zwischen uns und ihm. Die Einseitigkeit des alten Bundes weicht der Wechselseitigkeit: Gott ist vorbehaltlos für uns und wir sind vorbehaltlos für ihn. Das Leitbild des Neuen Testaments ist somit die ungetrübte Vertrauensbeziehung, und das ist eine wahre Liebesbeziehung.

Das Vertrauen kann nur echt sein, wenn kein Raum mehr für die Angst vor Strafe bleibt (1Joh 4,18). Das ist nur möglich unter der Voraussetzung eines absolut positiven Gottesbildes.

Die Schriften des Alten Testaments sind vom existenziellen Ringen um das wahrhaftige Gottesbild geprägt. Das entspricht ganz der dort erzählten Geschichte Israels. Die absolute Vertrauenswürdigkeit und Menschenfreundlichkeit des Gottes, der sich zuerst Abraham offenbarte, wurde erst auf langem Weg zur tiefen Überzeugung. In den Schriften des Alten Testaments spiegelt sich das Schwanken zwischen der Angst vor dem universalen Despoten, der alle umbringt, die sich ihm nicht völlig unterwerfen, und dem Gott, dessen Wesen reine Liebe ist.

Dieses Schwanken ist auch das Glaubensproblem unseres eigenen Herzens. Der Heilige Geist überzeugt uns aber, dass die beiden Gottesbilder, Angstgott und Liebegott, nicht zusammenpassen und dass nur der Liebegott vertrauenswürdig ist.



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