Miserikordias Domini
Leitmotiv: Der Gute Hirte
Wochenspruch: „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ Johannes 10,11.27-28

Montag: 1. Petrus 2,21-25

Petrus zufolge erweist sich die Christusnachfolge im Kommunikationsverhalten. Die Vorbildlichkeit seines Meisters erkennt er daran, wie dieser mit ungerechten Anschuldigungen umgegangen ist. Er ließ sich nicht vom Unrecht selbst zu Unrecht provozieren. Somit ließ er sich nicht von der Sorge beherrschen, er könne zu kurz kommen, wenn er darauf verzichtete, sich selbst zu rechtfertigen. Seine eigenen mehr als berechtigten Ansprüche, gehört, verstanden und geachtet zu werden, vertraute er Gott an. Er war überzeugt, dass Sinn darin liegt, bei der Wahrheit zu bleiben, und er war darin anscheinend äußerst konsequent. Wahrheit hieß für ihn nicht in erster Linie Richtigkeit, sondern Wahrhaftigkeit. Wahrhaftigkeit ist die Übereinstimmung des Motivs mit dem Verhalten.

Diese äußerste Konsequenz ließ ihn am Kreuz enden. Dort, wo der konsequente Verzicht auf Rache und die konsequente Wahrhaftigkeit in konzentrierter, herausragender Weise als Einheit in Erscheinung treten, stören sie das Teufelskreisgetriebe der Inkonsequenzen, der Unbeherrschtheiten, des Gemauschels mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten mitsamt dem ganzen großen Welttheater der Wichtigtuereien, das daraus entsteht, empfindlich. Der wahre Mensch passt nicht in diese Welt. Er wird ermordet.

Darin offenbart sich die Unmenschlichkeit. Sie allein ist das Böse. Wir sind nicht böse, aber wir verhalten uns böse, wenn wir es nicht lernen, wie Christus absolut friedfertig und absolut wahrhaftig zugleich zu sein. Wir richten uns selbst zugrunde und zerstören unsere Gemeinschaft, wenn wir unwahrhaftig friedfertig sind und wenn unsere Wahrheitsliebe nicht dem Frieden dient, sondern unserer eigenen eitlen Wichtigkeit und der Demütigung anderer.

Petrus glaubt daran, dass die Kreuzigung des einen wahren Menschen, der sich weder zum einen noch zum anderen verleiten ließ, gerade nicht das Ende aller Menschlichkeit markiert, sondern dass sie das A und O der wahren Menschlichkeit ist. Denn der gekreuzigte Christus ist uns das eine wahre Vorbild bis zum Äußersten konsequenter Liebe und Wahrheit.



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