1. Advent
Leitmotiv: Gott kommt zu uns
Wochenspruch: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.” Sacharja 9,9


Samstag: Wochenspruch

Er kommt, aber er ist auch schon da. Er kommt zu dem, der ihn erwartet, als Gerechten und Helfer. Sein Königtum ist Dienst. Wer selbst gerecht ist und keine Hilfe braucht, zu dem kommt er nicht. Er kommt zu dem Bedürftigen, der nach ihm dürstet wie der Hirsch nach frischem Wasser. Der Durst muss sein und er kann furchtbar groß werden, aber er kommt. Er lässt den, der auf ihn wartet, nicht verdursten. Die Versuchung des langen Wartens für den, der an diesen König glaubt, besteht darin, das Verdursten in Betracht zu ziehen und das erhoffte Kommen als Fata Morgana zu deuten: Mir schwebt zwar immer vor, dass er kommt, aber ich bleibe in der Wüste und gehe im Kreis und sterbe dort gottverlassen. Anziehend ist das Bild der Oase, aber sie kommt nicht. Im Prozess des Verdurstens mögen Halluzinationen entstehen, der König mag mir leibhaftig erscheinen und mich zum frischen Wasser führen, aber da ist und bleibt nur Wüste. Und wenn ich dann hinübergegangen bin, wird Gott zu mir sagen: „Es war nicht so gemeint. Ich wollte nicht im Diesseits kommen. Du hast mich falsch verstanden.“

Das ist die Versuchung. Das Warten auf Godot. Die Wahl zwischen Wahn und einem Glauben, der nur noch den Tod als Hoffnung des diesseitigen Lebens kennt. Vielleicht tragen mich ja doch nach diesem Hundeelend hier die Engel in Abrahams Schoß. Aber weil es eine jenseitige Hoffnung ist, mag auch sie nur Wahn sein.

Tröstlich ist das Wort vom Kommen des Königs nur, wenn er schon da ist. Wenn es Mitternacht wird und von seinem Kommen nichts zu sehen ist, dann schlafen auch die klugen Jungfrauen ein. Sie resignieren genauso wie die Törichten. Hiob kann nur verzweifeln. Wer an ihn glaubt und auf ihn hofft, kann nicht leben, wenn er nicht kommt. Er lässt sich nicht vertrösten.

Der glimmende Docht muss zur Flamme werden. Das geschieht nur, wenn er kommt. Heute ist die Zeit der Gnade, heute ist der Tag des Heils. Der Glaube kennt keinen Kompromiss: Wenn er nicht heute kommt, dann kommt er gar nicht. Der Zweifel sagt: Dass er heute kommt, ist reine Einbildung. Der Glaube antwortet: Er kommt und ist schon da. Buchstäblich alles, was mir heute widerfährt, ist reines Zeichen seiner liebevollen Gegenwart. Ich habe nur mitunter Schwierigkeiten, es so zu deuten. Aber das macht nichts. Ich übe mich darin. Alles muss mir zum Besten dienen. Alles ist Grund zur Dankbarkeit - zweifellos.



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