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10. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Die Kirche und Israel
Wochenspruch: „Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.“ Psalm 33,12 |
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Montag:
Römer 11,25-33
Verstockung ist die Unfähigkeit, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes vorbehaltlos
aufzunehmen und dadurch frei vom „Stecken des Treibers“ zu werden (Jes 9,3). Durchaus
nicht das ganze Israel reagiert so auf Jesus, sondern nur ein Teil. Nicht die andern
Juden, die sich der frohen Botschaft aufschließen, sind das wahre Israel; es gibt
den Unterschied zwischen falschem und wahrem Israel nicht, es gibt nur den Unterschied
zwischen den Aufgeschlossenen und den noch Verstockten. Gott erbarmt sich aller.
Nicht von außen her wird Israel gewonnen werden, eingenommen durch den christlichen
Glauben, sondern von Zion her, aus seiner Mitte also, wird die Öffnung erfolgen,
ganz und gar jüdisch. Israel ist und bleibt das erwählte Volk; die nichtjüdische
Christenheit hat es nicht darin abgelöst, sondern sie ist hinzugekommen, weil
Gott sich nicht nur über Israel, sondern über die ganze Welt erbarmt. Der
jüdische Glaube wird sich nicht im Christentum auflösen, sondern er wird
sich in sich selbst erfüllen, er ist vollständig in sich, er muss und wird
nicht das Lager wechseln. Sch’ma Israel: Was den jüdischen und den
christlichen Glauben eint, ist das Liebesgebot der Tora, das allein
macht den Sinn des jüdischen wie des christlichen Glaubens aus.
Das Geheimnis der Heilsgeschichte ist das Geheimnis des göttlichen Erbarmens. Beides
gilt: Wir tragen selbst die Verantwortung dafür, uns dem Liebesgebot zu verschließen,
ob Christen, Juden oder Andersgläubige. Und zugleich können wir nicht anders, weil
wir noch nicht so weit sind, noch nicht reif genug, noch nicht weise genug. Das
ist gleichbedeutend damit, dass Gott mit uns noch nicht so weit ist. Zu lieben
ist die höchste Kunst. Er braucht unendlich viel Geduld mit uns, bis wir
Menschen sie lernen, aber er hat sie auch. Das Geheimnis ist: Gott kommt
zum Ziel. Geheimnis ist das, weil es Gewissheit des Herzens durch den Glauben
ist.
Alles, was den Weg der Liebe verbaut, führt nur dazu, dass sie neue Wege findet.
Darum ist die Verstockung der einen der Segen für die andern. Die Liebe bricht
den Widerstand dagegen, ihr zu trauen, nicht mit Gewalt. Sie bleibt sich treu.
Ihr „Drängen“ ist niemals bedrängend, sondern immer nur gewinnend. Sie
überfordert nie. Sie respektiert die Grenzen des Wollens und Könnens,
auch wenn sie voller Schmerz vorhersieht, dass Schreckliches daraus wird.
Damit, so das Geheimnis, an dem Paulus uns teil gibt, wird sie alle
Lieblosigkeit überwinden.
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