6. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Das Sakrament der Taufe
Wochenspruch: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Jesaja 43,1

Inhaltliche Zusammenfassung

Der Wochenspruch Jes 43,1 richtet sich gegen unsere existenzielle Angst und unser existenzielles Misstrauen gegen Gott. Er meint uns persönlich mit seiner ganzen Liebe - und er ist selbst ganz Liebe. Es tut gut, den Text aber nicht nur auf den Einzelnen zu beziehen, sondern seinem Zusammenhang gemäß, auch auf das System, das der Einzelne wie auch die Gemeinschaft, deren Teil er ist, mit der Umwelt bildet. Insofern ermutigt er nicht nur dazu, dass der Einzelne trotz schlimmer Bedrohungen seinen Weg geht, sondern er spricht auch zu, dass sich die Friedenswege der Konstruktivität auch dort durchsetzen werden, wo die Machtverhältnisse gar nicht danach aussehen, weil Gott selbst diese Machtverhältnisse letztlich reguliert (Jes 43,1-7).

Die Legitimation und Überzeugungskraft der christlichen Mission ist ihre innere Autorität. Das meint Jesus, wenn er sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt“. Das ist seine Glaubwürdigkeit, die in der Hingabe seiner Nachfolger weiter lebt und sich ausbreitet. Es ist die Glaubwürdigkeit von Liebe und Wahrheit (Mt 28,16-20).

Wenn wir uns, wie Paulus sagt, für Menschen halten sollen, deren „Leib der Sünde“, symbolisiert durch die Taufe, mit Christus gestorben und begraben ist, dann ist es ein Widerspruch, den Leib, in dem wir uns tatsächlich befinden, zugleich für sündig zu halten. Entsprechend bedeutet ein Leben im Glauben an die Erlösung von dem „Leib der Sünde“, dass wir uns nicht mehr fürchten müssen, als unreine, unheilige Wesen für die Wirkungen dieses Leibes von Gott bestraft und womöglich gar verdammt zu werden. Wir sind angenommen, wie wir sind, und müssen den Fehlern, die wir unvermeidlich machen, nicht mehr das tödliche Gewicht der Sünde beimessen. Wir müssen nicht, wie der Mensch, den Paulus in Rö 7 beschreibt, verzweifeln, sondern wir dürfen uns selbst und andere ermutigen, aus den Fehlern zu lernen, und wir dürfen uns selbst und die andern als grundsätzlich liebenswürdige Menschen mitsamt allen Mängeln annehmen (Rö 6,3-11).

Es gibt keine echte Liebe ohne echten Hass. Gott liebt den Sünder, aber er hasst die Sünde. Wenn Menschen anderen extremes Unrecht zufügen, fällt es uns sehr schwer, diesen Unterschied zu machen. Aber wir können uns darauf verlassen, dass Gott ihn immer macht. Darum sind wir aufgefordert, uns nicht selbst zu rächen, sondern das strafende Handeln, das dem bösen Verhalten die notwendige Grenze setzt, der wahren Gerechtigkeit Gottes zu überlassen (Deut 7,6-12).

Der äthiopische Finanzminister, der nach Jerusalem gereist ist, um sich die Weisheit der Juden zu erschließen, zeichnet sich durch seine Offenheit, Lernbereitschaft und das Engagement geduldigen Suchens und Fragens aus. Gott scheint sein besonderes Augenmerk auf solche Gottsucher zu richten. Er kommt ihnen entgegen, um sie finden zu lassen, und überwindet dabei alle noch so großen Widerstände. Davon zeugt die Apostelgeschichte nicht nur mit mit dieser Episode. Durch ehrliche Weltoffenheit, Verzicht auf Vorurteile und Mut zur Unkonventionalität breitet sich das echte Christentum aus. Es bewirkt immer, dass Menschen fröhlich ihre Straße ziehen - fröhlicher als zuvor. Es führt in Freiheit und Dankbarkeit (Apg 8,26-39).

Wenn die Taufe das völlige Angenommensein durch Gott symbolisiert, so entspricht dem, dass wir uns ihm völlig anvertrauen. Wir sehnen uns, darin Erfüllung zu finden. Das ist uns zugesagt: Wir sind eingeladen, mit der Leidenschaft hungriger Säuglinge zu suchen, was uns wirklich tröstet und stärkt und darin die tiefe Geborgenheit des Urvertrauens zu erfahren (1Pt 2,1-10).

Vorschläge zur Vertiefung
  • Meditieren Sie das Symbol der Taufe. Halten Sie dabei alle Vorstellungen davon, was dogmatisch in dieser Hinsicht „richtig“ und „falsch“ ist, auf Abstand. Verfolgen Sie im Blick auf dieses Symbol ganz schlicht die Spur der Dankbarkeit. Das heißt: as freut und ermutigt sie daran?
  • Meditieren Sie das Bild vom Säugling, der sich an der Muttermilch satt trinkt. Suchen Sie sich aus dem reichen Schatz der Marienbilder eines, das Ihnen den Vergleich besonders nahe bringt. Halten Sie fest, was Ihnen dieses Bild sagt.
  • Was bedeutet christliche Mission für Sie, wenn es dabei einzig und allein um die Ausbreitung der Liebe geht?



E-Mail: info@isa-institut.de       Datum der letzten Änderung: 07.07.2018