6. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Das Sakrament der Taufe
Wochenspruch: „So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Jesaja 43,1

Dienstag: Deuteronomium 7,6-12

Der barmherzige, liebevolle Gott liebt, die ihn lieben und hasst, die ihn hassen, und bringt sie um. Das neutestamentliche Liebesgebot bezieht aber die Hassenden ein. Jesus sagt: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen“ (Lk 6,27). Sind diese gegensätzlichen Aussagen überhaupt vereinbar?

Auch Paulus gibt die Direktive, die Verfolger zu segnen und Böses nicht mit Bösem zu vergelten (Rö 12,14ff). Paulus ermutigt, den Racheimpulsen zu widerstehen: „Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes“ (Rö 12,19). Er begründet es ebenfalls mit einem Satz aus dem Deuteronomium: „Denn es steht geschrieben: ‘Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr’“ (Deut 32,35). Das Prinzip der Rache wird also durch die paulinische Theologie nicht aufgelöst. Darum kann man jene Aussage in unserem Text nicht einfach damit abtun, sie sei eben alttestamentlich. Nein, sondern offensichtlich ist sie einfach biblisch.

Aber können wir diese Aussage vom Standpunkt der Liebe her verstehen? Andernfalls bliebe sie unverständlich und fragwürdig. Diese Frage ist leicht zu beantworten, wenn man „die, die ihn hassen“, sowohl auf den Gott Israels als auch auf sein Volk bezieht, was der Kontext auch nahelegt. Dieser Hass entlädt sich an seinem Volk, das er aus reiner Liebe erwählt hat, und dem er unter allen Umständen in Treue und Barmherzigkeit zugewandt ist. Weil Gott die Liebe ist, kann sein Zorn nicht in der Reaktion auf Majestätsbeleidigungen bestehen, er wäre sonst zugleich ein angsterregender Narzisst, ein selbstbezogener absolutistischer Tyrann. Nein, aber die Liebe wird zornig, wenn denen, für die sie einsteht, böses Unrecht geschieht.

Die Frage ist leicht zu beantworten, wenn wir also jenen Hass im Antisemitismus erkennen und wenn wir in den Hassenswerten vor allem die Mörder aller Genozide erblicken, die aus dem Antisemitismus entstanden, allen voran den der Nazis. Es fällt uns sehr schwer, Hitler, sein Mordgesindel und seine dummen Verehrer nicht zu hassen, und dennoch sind wir gemahnt, uns nicht selbst vom Bösen infizieren zu lassen, indem wir Menschen wie sie verteufeln. Doch es soll uns zum Trost gesagt sein, dass Gott kann und tut, was uns selbst überfordert: Zugleich zu hassen und dabei gerecht zu bleiben, voller Zorn und dennoch voller Liebe, indem er dem Bösen dort die klare Grenze setzt, wo alles weitere Zulassen selbst böse wäre. Dass er dies tut, dürfte die stete Hoffnung aller sein, die den Antisemitismus hassen (wer ihn aber nicht hasst, liebäugelt mit ihm). Dass Gott so viel Schrecklichstes geschehen lässt, bis er es tut, hält ihm der Schrei aus tiefster Not all derer entgegen, die zu lange auf ihn warten mussten: Mein Gott, mein Gott, warum?!



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