5. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Jesus nachfolgen
Wochenspruch: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Epheser 2,8

Inhaltliche Zusammenfassung

Glaube ist Vertrauen und Vertrauen ist immer ein Geschenk, das man nicht einfordern und nicht künstlich erzeugen kann. Echtes und zuverlässiges Vertrauen zwischen Menschen oder zwischen Menschen und Gott entsteht und wächst nur unter der Voraussetzung von Freiheit. Weil Vertrauen nicht erzwungen werden kann, ist unsere Entscheidung, uns vertrauend auf eine andere Person einzulassen, immer freiwillig (Wochenspruch Eph 2,8).

Wenn Jesus vom „Menschenfischen“ spricht, meint er einen Vorgang, der sich genau umgekehrt wie der übliche Vorgang des Fischens vollzieht: Aus dem „Verschmachten“ (Mt 9,36) zurück ins Lebenselement, wie ein Fisch, der aus dem Trockenen ins Wasser gerettet wird. Um diese Art des „Fangens“ geht es in der christlichen Predigt. Ihr ist aufgegeben, ganz auf manipulatorisches Ködern der Hörer zu verzichten. Das vollmächtige Predigen geschieht aus dem inneren Muss heraus und gerade als solches unabhängig von Effekt und oberflächlichem Erfolg. Oft scheint es sogar, wie an den alttestamentlichen Propheten und Jesus selbst ersichtlich, alles andere als erfolgreich zu sein (Lk 5,1-11).

Im Mittelpunkt der Predigt des Evangeliums steht das überaus anstößige „Wort vom Kreuz“. Die frohe Botschaft ist nicht wirklich frohe Botschaft ohne dieses Paradox. Echte Prophetie meidet das Kreuz nicht, sondern sie beleuchtet es. Sie beleuchtet es so, dass die frohe Botschaft in der Predigt vom Kreuz erkennbar wird. Das ist der Unterschied zur Sentimentalität und Wichtigtuerei oberflächlicher Evangeliumsverkündigung, die Paulus unter den Aspekten der Wundersucht und des eingebildeten Wissens, das sich „Weisheit“ nennt, zusammenfasst (1Kor 1,18-25).

Die Predigt des Evangeliums, die das Kreuz nicht scheut, gilt den hörenden Ohren und den sehenden Augen. Sie ist eine kontemplative Hinführung zum Schauen. Im Schauen tritt das Reden ganz zurück und es ereignet sich Begegnung mit dem Geheimnis des Lebens. In dieser Weise schildert Johannes die ersten Jüngerberufungen (Joh 1,35-42).

Die Abrahamsgeschichte zeigt, dass die Lebensmitte im Prozess der Berufungsverwirklichung entscheidende Bedeutung haben kann. In der Krisenerfahrung dieser Phase stellt sich entweder die Weiche zu einer vertieften und noch radikaleren Bejahung der Berufung oder zu ihrer Verleugnung. Abraham hört auf das Reden Gottes und findet darum zur Erfüllung seiner Berufung. Das gibt seinem Leben tiefen Sinn (Gen 12,1-4).

Nachfolge Jesu ist radikale Freiheit. Das, was „man“ zu tun und zu lassen hat, verliert dadurch seinen verbindlichen Anspruch. Es geht darum, ob wir uns für den Daseinsmodus des Seins oder den des Habens entscheiden. Ersterer definiert sich vom Loslassen her, Letzterer vom Festhalten. Das Festhalten sind, mit Kierkegaard gesprochen, die verzweifelten Bemühungen, verzweifelt man selbst oder verzweifelt nicht man selbst sein zu wollen. Das sind die Bemühungen der Selbstsucht. Dem, der zu sich selbst gekommen ist, der sich selbst gefunden hat, der sich selbst annimmt, wie er ist, mitsamt den Lebensumständen, in denen er sich befindet, genügt das Dasein im Hier und Jetzt. Er lässt sich nicht von der Sorge beherrschen (Lk 14,25-33).

Nachfolge ist nicht nur Freiheit, sondern auch Vertrauen. Vertrauen wiederum entsteht und wächst nur in Freiheit und hat befreiende Wirkung. Man wird wohl kaum überhaupt von „Nachfolge Christi“ sprechen können, wo nicht Vertrauen und Freiheit überzeugend dominieren. Man wird aber überall dort, wo das der Fall ist, zumindest eine große Nähe zur Nachfolge Christi festellen können. Den Gegensatz dazu bilden „Falschheit und Bosheit“. Diese Art der Lebensausrichtung ist von Misstrauen und Knechtung bestimmt (2Thess 3,1-5).

Vorschläge zur Vertiefung
  • Meditieren Sie den Zusammenhang von Freiheit und Vertrauen. Was bedeutet das für Sie persönlich?
  • Meditieren Sie den Zusammenhang von Kreuz und Evangelium. Bleiben Sie dabei ganz auf der Ebene des stillen Betrachtens; verzichten Sie auf dogmatische Richtigkeiten. Was ist jetzt für Sie persönlich Anstoß dabei? Was wird da also bei Ihnen in Bewegung gesetzt? Folgen Sie dieser Spur.
  • Woran wollen Sie gern festhalten, weil die Sorge es Ihnen empfiehlt? Was würde Loslassen an diesem Punkt für Sie bedeuten? Was würde daraus folgen?



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