5. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Jesus nachfolgen
Wochenspruch: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Epheser 2,8

Montag: 1. Korinther 1,18-25

„Die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit.“ Was beide verbindet, ist der Daseinsmodus des Habens. Die primäre Glaubensmotivation beider ist der Anspruch, „etwas davon zu haben“. Entsprechend prüfen sie die Angebote: Sagt es ihnen zu? Schmeckt es ihnen? Gefällt es ihnen? Dann kann es akzeptiert werden.

Das Wort vom Kreuz schmeckt nicht. Es stört. Es beunruhigt. Es provoziert. Es steht quer. Es durchkreuzt. Um es passend zu machen, glättet und schmückt man es, hüllt es ein, damit es seine Anstößigkeit verliert. Aber dadurch verleugnet man es.

Anstößig ist sie, die Predigt vom Kreuz, und nur als Anstößige kann sie verrichten, was sie soll. Anstoß erregt sie. Der Anstoß ist Bewegung: Gegenbewegung. Wer sich anstoßen lässt durch das Wort vom Kreuz, wird zu einem Gegenbewegten. Die Weisheit dieser Gegenbewegung ist die höhere Weisheit, ihr Zeichen das deutlichere.

Alle Propheten des Alten Bundes waren gegenbewegt. Johannes der Täufer war gegenbewegt. Jesus war so gegenbewegt, dass man einen Scheinprozess gegen ihn unternahm, ihn öffentlich bloßstellte, folterte und extrem grausam hinrichtete. Die Predigt vom Kreuz ist die Predigt von der Gegenbewegung und dem, wie die angemaßte Weisheit der Welt, die doch keine ist, damit umgeht. Das ist gar nicht schön. Das stört gewaltig. Aber so ist diese Welt, und sie ist machtvoll so.

Das Wort vom Kreuz ist das Wort von der Freiheit. Die Freiheit ist ärgerlich, denn man kann sie nicht besitzen. Besessene Freiheit ist missbrauchte Freiheit und missbrauchte Freiheit ist immer eine Form von Sklaverei. Gerechtigkeit zum Beispiel ist eine Ausdrucksweise der Freiheit. Wer sich aber des Rechts bemächtigt und meint, es zu haben, wird rechthaberisch. Alle Rechthaber sind Sklaven ihrer rigiden Ansprüche, die auch ihre Umwelt darunter versklaven.

Die Freiheit widersteht den Rechthabern. So wird sie zur Passion. Das ist ihr Preis. Die Freiheit gilt als Torheit in dieser Welt, denn sie ist arm: Sie hat nichts. Sie ist. Die Menschen im Daseinsmodus des Habens pflegen dem, was stört, eine Chance der Rechtfertigung zu geben, indem sie fragen: „Was hast du denn?“ „Nichts“, antwortet die Freiheit. „Ich habe nicht, ich bin.“ Das wir ihr übel genommen. So wird die Freiheit zum Kreuz. Und davon handelt die Predigt des Evangeliums. Das ist die weise Torheit Gottes.



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