4. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Die Gemeinschaft der Sünder
Wochenspruch: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Galater 6,2

Sonntag: Lukas 6,36-42 Evangelium

Jesus stellt die Grundhaltung des Gebens der Grundhaltung des Forderns gegenüber. Die Grundhaltung des Gebens schaukelt sich, wenn sie gelebt wird, positiv auf, die Grundhaltung des Forderns negativ. Oder anders gesagt: Beide Grundhaltungen sind ansteckend: Der Gebende motiviert seine Mitmenschen, selbst auch zu geben, so wird ein Geben und Nehmen daraus. Der Fordernde motiviert sie, selbst auch zu fordern, so wird eine Eskalation des Abgrenzens, des Richtens, der Rechthaberei und des Besserwissens daraus, woraus die entsprechenden Emotionen und Verhaltensweisen resultieren. Das bezeichnet Jesus als fruchtlose, sinnlose, ziellose Blindheit: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Ein sehender Mensch hingegen hat den offenen Blick für das Bedürfnis des Andern und davon wiederum selbst den größten Gewinn.

„Der Jünger steht nicht über dem Meister, wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.“ Dieser Satz scheint auf den ersten Blick merkwürdig unverbunden zwischen den anderen zu stehen. Aber er hat seinen guten Sinn an dieser Stelle: „Jünger“ heißt „Schüler“. Wir lernen voneinander. Wir sollten uns nicht einbilden, dass wir signifikant Besseres hervorbringen als unsere Vorbilder: Wenn wir uns an verblendeten Menschen orientieren, erblinden wir selbst. Wenn wir Jesus zum Vorbild nehmen, prägt uns das ebenso. Wenn wir aber behaupten, es besser zu wissen und zu machen als unsere Vorbilder, betrügen wir uns selbst. Man kann nicht gleichzeitig Jesus folgen und einer wahrheitsblinden Ideologie. Man kann es versuchen, aber man wird dann nicht mehr Jesus folgen, sondern den blinden Blindenführern, die sich mit Vorliebe damit brüsten, die erleuchteten wahren Führer zu sein. Man mag sich weiterhin für einen Christen halten, aber man wird in die Grube fallen.

Jesus nennt solche Zwiespältigkeiten „Heuchelei“. Heuchelei ist ein Leben in Unwahrhaftigkeit. Wahrhaftig zu werden heißt zu allererst, zu sich selbst zu kommen. Das geht nicht ohne stille Einkehr. Selbstfindung ist die Voraussetzung für ein Leben im Segen. Wer sich selbst findet, wird frei von der Selbstsucht, unabhängig von den Anderen und frei für sie zugleich.



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