4. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Die Gemeinschaft der Sünder
Wochenspruch: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Galater 6,2

Samstag: Wochenspruch

„Gesetz Christi“ bedeutet „Grundprinzip des christlichen Lebens“. Wie viel Last des andern wir tragen können, hängt von unserer Tragfähigkeit ab. Wir wachsen aber auch unter der Last. Unter Lasten zu wachsen ist das Prinzip jedes Trainings. Auch hartes Training, das an die Grenzen der Kraft geht, schadet nicht, sofern es nicht über sie hinaus geht. Die Tragfähigkeit wird größer dadurch. Darum darf auch die Last des andern eine Zumutung für mich sein. Sie darf sehr viel Geduld erfordern. Wir brauchen diese Geduld, um wachsen zu können, als Tragende und als Getragene. In den Krisenzeiten, die wir für unser Wachstum benötigen, sind wir manchmal nur noch schwer erträglich für unsere Mitmenschen. Dann brauchen wir ihre Geduld, so wie sie unsere brauchen.

Wenn uns aber die Last des andern zur Überlastung wird, dann liegt es daran, dass wir es dem andern erlauben, es sich auf unsere Kosten bequem zu machen. Wir lassen uns als Lastenträger missbrauchen. Sinnvoll ist das Tragen der Last des andern nur unter zwei Voraussetzungen: Entweder kann der andere seine Last wirklich nicht selbst tragen oder er mutet mir nur das zu, was meine eigene Tragfähigkeit nicht übersteigt; er nimmt mich in Anspruch, aber er nimmt zugleich auch Rücksicht auf mich. Die erste Weise des Lastentragens braucht ein Mensch, der nicht für sich selbst sorgen kann, jedenfalls nicht in dem Bereich, der mir eine Zumutung ist; die zweite Weise braucht ein Mensch, der das sehr wohl kann, der aber auch auf meine Unterstützung angewiesen ist oder dem sie zumindest gut tut.

Gewiss, die Übergänge sind fließend. Besonders deutlich wird das in der Erziehung, am deutlichsten in der Pubertät. Sie ist reine Übergangszeit zwischen dem Noch-nicht-Mündigsein und dem Schon-Mündigsein.

Verantwortliches Lastentragen fragt stets nach der gesunden Balance: Worin bist du mündig und worin nicht? Wer mündig ist, soll seinen eigenen Mund aufmachen, um mit mir zu besprechen, was er von mir braucht. Ich darf Rücksicht von ihm erwarten. Noch nicht oder nicht mehr mündig zu sein bedeutet, dazu noch nicht oder nicht mehr in der Lage zu sein. Wer noch nicht oder nicht mehr für sich selbst sprechen kann, braucht den mündigen Andern als Für-Sprecher und Für-Sorger.


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