4. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Die Gemeinschaft der Sünder
Wochenspruch: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Galater 6,2

Dienstag: Genesis 50,15-21

Sie lügen sich etwas zurecht, weil sie Angst haben. Aber auch jetzt kommt wieder etwas Gutes dabei heraus. „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen“. Gott schreibt auf krummen Linien gerade. Er könnte sonst gar nicht seine Ziele mit uns Menschen verwirklichen. Gott ist kompromissfähig. Er macht das Beste aus unseren Gegebenheiten. Joseph scheint das verstanden zu haben. Darum hat sich seine Lebenseinstellung von narzisstischer Arroganz, die man ihm, dem einstigen Papasöhnchen, wohl unterstellen kann, zu Achtung, Mitgefühl und Barmherzigkeit gewandelt. Darum lässt er sich nicht vom zwiespältigen Verhalten der Brüder, das ja recht deutlich auch in ihrer anbiedernden Unterwürfigkeit zum Ausdruck kommt, beeindrucken, sondern er blickt tiefer, sieht ihre Not und lässt sich bewegen dadurch. Darin liegt die eigentliche Würde seines Vergebens hier und jetzt. Sie dürfen sich so unaufrichtig verhalten, wie sie es nun einmal gerade tun, sie können wohl nicht anders. Es ist ihr Armutszeugnis, aber Joseph empört sich nicht darüber, weil er sie annimmt, wie sie sind. Er hält nicht fest am Idealanspruch. Er gibt ihnen eine Chance, er gibt ihnen Hoffnung, er bleibt frei, ihnen zu dienen.

Diese selbstverleugnende Großzügigkeit bedarf aber eines starken Fundaments. Aus dem Narzissmus ist Selbstbewusstsein geworden. Joseph hat ein großes Bedürfnis nach guter Beziehung zu seinen Brüdern, aber er ist in keiner Weise abhängig von ihnen, innerlich nicht und äußerlich nicht. Er ist ein souveräner Souverän. In dieser Haltung und in dieser Macht kann er sehr viel Gutes tun.



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