2. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Gott lädt uns ein
Wochenspruch: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28

Mittwoch: 1. Korinther 14,1-3.20-25

Verständlich reden und Verstehen: Darum geht es, wenn wir nach der Liebe streben. Verständlich ist das, was zur rechten Zeit auf die rechte Art geredet ist. Die prophetische Rede ist das Wort, das hilft: zur Erbauung, zur Ermahnung und zur Tröstung. Mit modernen Worten: konstruktiv und ermutigend. Sie sucht das verstehende Herz. Das Verstehen ist das Gegenteil des Bösen. Im Verstehen und Verständigen schafft sich die Wahrheit Raum, dann bestimmt Wahrhaftigkeit das Miteinander.

Es scheint hier fast so, als würde Paulus sogar die Zungenrede (Glossolalie) mit dem verständigenden und verstehenden Reden kontrastieren und nur Letzterem zugestehen, Gabe des Geistes zu sein: „Denn wer in Zungen redet...“ - das ist ein Gegensatz zum ersten Vers. Insofern könnte es sogar ironisch gemeint sein, wenn Paulus fortfährt, wer in Zungen rede, der rede „im Geist von Geheimnissen“. Vielleicht wäre zu übersetzen: „Er redet ‘im Geist’ mysteriöse Dinge daher“, wobei „im Geist“ dann wohl „in Trance“ bedeuten soll. Jedenfalls sind die Wirkungen der Zungenrede diesem Text nach nicht sehr erbaulich, auch wenn Paulus behauptet, wer so spreche, erbaue sich selbst. Will er wirklich, dass alle es tun? Er stellt sich ja gleich vor, dass es tatsächlich so wäre, und findet es absurd: Das erbaut die Gemeinde eben gerade nicht und stößt Menschen, die sich in ihr noch nicht heimisch fühlen, ab. Die konstruktive und ermutigende Rede hingegen öffnet die Herzen, spricht ins Gewissen und nimmt so den Einzelnen in die Gemeinde hinein.

Man wird es vielleicht offen lassen müssen, was er mit der Selbsterbauung durch Glossolalie meint. Jedenfalls ist sie ihm nichts Wesentliches. Wenn der Heilige Geist wirkt, dann führt es nicht zu Unklarheiten, sondern zu deutlichen Worten und echter Verständigung. Zeichenhaft ist das im Pfingstereignis repräsentiert. Das Sprachenwunder von Pfingsten ist ein anderes als dieses unverständliche vor sich hin und für sich selbst Reden, das Paulus zufolge für die Gemeinde nur sinnvoll wird, wenn es in Verständliches übersetzt wird. Man könnte freilich zurückfragen: Warum der Umweg und nicht gleich verständlich reden? Und das scheint Paulus ja auch selbst zu meinen, indem er der prophetischen Rede mit Nachdruck den Vorzug gibt.



E-Mail: info@isa-institut.de       Datum der letzten Änderung: 09.06.2018