2. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Gott lädt uns ein
Wochenspruch: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28

Freitag: 1. Korinther 9,16-23

Es empfiehlt sich, die letzten Verse des Kapitels dazu zu nehmen. Paulus sieht seine Berufung darin, Menschen zu gewinnen. Wie ein Leistungssportler, der im Wettkampf siegen will und seinen ganzen Lebensstil darauf ausrichtet, setzt Paulus alles daran, ein gewinnender Mensch zu sein. Es ist hier wie mit dem Hören: Wer nicht überhaupt gewinnend ist, der ist es auch nicht für den Glauben. Ein missionarischer Lebensstil, der nicht aus einer authentischen gewinnenden Lebenshaltung hervorgeht, ist eben gerade nicht gewinnend. Daran krankt zu sehr großen Teilen das, was man „Evangelisation“ nennt. Umgekehrt gilt: Wer eine gewinnende Lebenshaltung einübt, der muss sich nicht noch einmal extra anstrengen, um nun auch noch Menschen für den Glauben zu gewinnen. Er wirkt als Glaubender natürlich und diese Natürlichkeit ist attraktiv für Menschen, die selbst nach dem Glauben suchen.

Die Metapher des Leistungssportlers lässt das Wort „gewinnen“ doppeldeutig erscheinen, zugleich als Erfolg bei anderen Menschen und als Sieg: Ich gewinne, indem ich dich gewinne, und indem ich gewinne, gewinne ich dich. Wer sich selbst beherrscht, schafft sich dadurch die Voraussetzung, Erfolg bei anderen Menschen zu haben, denn wer sich selbst beherrscht, kann sich geduldig und freundlich auf seine Mitmenschen einstellen, so fremd und seltsam sie ihm auch begegnen, und so wenig diszipliniert sie selbst auch sein mögen. Der Text bringt deutlich zum Ausdruck, dass wahre Selbstbeherrschung unabhängig macht. Wahre Selbstbeherrschung ist also wahre Freiheit. Nur in dieser Freiheit können wir auch unserer wahren Berufung entsprechen.

Berufung ist das innere Muss, im Gegensatz zum äußeren Muss. Das innere Muss ist das Muss des freien Willens, so paradox das auch erscheint. Der freie Wille ist nicht mit dem Eigenwillen zu verwechseln. Es wird deutlicher, wenn wir das innere Muss als die Stimme des freien Gewissens verstehen. Das Gewissen ist frei, wenn wir mit uns selbst Übereinstimmung erfahren, psychologisch gesagt: Es ist frei in der Selbstkongruenz. Wir können dazu auch sagen: In unserer Bestimmung. Die Bestimmung ist das Stimmige, das, was für uns stimmt: das Passende, das Angemessene. Darin ist der Wille frei. Das ist identisch mit dem inneren Muss. Sich selbst auf dieser Spur zu verwirklichen, was für Paulus bedeutet, ganz und gar Apostel der „Heiden“ zu sein, ist Sinn der Selbstdisziplin.



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