2. Sonntag nach Trinitatis
Leitmotiv: Gott lädt uns ein
Wochenspruch: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28

Dienstag: Matthäus 22,1-14

Gott zürnt, weil er liebt. Die Theologie hat Gott ein gespaltenes Wesen zugedacht: Zwei Hände habe er, mit der einen segne er, mit der andern strafe er. Liebegott und Angstgott stehen einander unvereinbar gegenüber und scheinen doch derselbe zu sein. Bei dieser Sichtweise hat das Vertrauen auf den Liebegott keine Chance, weil es nicht möglich ist, gleichzeitig dem zu vertrauen, vor dessen Schlägen man Angst hat. Das kann nur der Gehorsam einer ergebenen Beziehung sein, die man „Unterwürfigkeit“ nennt. So ist Gottesfurcht durch Gottesangst definiert und Johannes (1Joh 4,16bff) wird Lügen gestraft: Furcht gehört zur Liebe, sagt solche Theologie, und diese Art von Liebe lebt davon, dass sie vor Strafe zittert.

Gottesfurcht muss anders definiert werden: als die Ehre, die ihm gebührt. Gottesfurcht ist Gottesachtung. Weil Gott liebt, darum hasst er auch. Liebe ohne Hass ist ohne Kraft. Diese Beispielsgeschichte malt mit starken Farben vor Augen, was Gott hasst. Er hasst die Verachtung des Ehrenwerten. Ehre, wem Ehre gebührt!

Das ist ein Grundprinzip des Liebegottes und für uns Menschen ist es, unabdingbar und unabhängig von unserer Glaubensvorstellung, das Grundprinzip der Ethik schlechthin. Dementsprechend ist das auch die Grundaussage der zehn Gebote. Sie schieben aller Entehrung den Riegel vor: Der Entehrung Gottes wie der Entehrung der Menschen untereinander.

Um der Liebe willen hasst Gott die Verachtung alles Ehrenwerten. Dort hat die Lehre vom Zorn Gottes ihren Ort und nur dort. Ohne diesen Zorn hat die Liebe weder Kraft noch Würde.



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