Exaudi
Leitmotiv: Die wartende Gemeinde
Wochenspruch: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32

Inhaltliche Zusammenfassung

Das Warten kann extrem schwer werden. Jesus spricht uns für solche Phasen den Tröster zu, den Heiligen Geist. Trost im biblischen Sinn ist Ermutigung. Der Heilige Geist bezeugt einerseits mit unserem Geist zusammen, dass wir Gottes Kinder sind (so die genaue Übersetzung von Rö 8,16) was bedeutet, dass wir vorbehaltlos von Gott geliebt sind und dass er für uns so sorgt, wie es eben ein mächtiger, weiser und gütiger Vater tut, der seine Kinder liebt. Andererseits ist er die spirituelle und kreative Energie unserer eigenen Bewältigungsfähigkeiten, der Antrieb, das Leben zu meistern. Er ist es dialogisch mit unserem Geist zusammen, so wie die Stimmen der Musik im dialogischen Wechselspiel und Zusammenklang ein Ganzes sind (Joh 15,26-16,4).

Ein weit verbreitetes religiöses Muster der Erwartung wird durch die Haltung des Kniens symbolisiert: Der Kniende gibt sich auf, er kapituliert vor einem Übermächtigen. Der kann nun mit ihm machen, was er will. Es ist eine Erwartung der Angst mit Hoffnung auf Begnadigung. Diese Vorstellung, dass der zornige Gott uns nicht nur in heiliger Gerechtigkeit hinrichten, sondern auch in die ewige Hölle werfen könnte und müsste, prägt bis heute weite Teile der christlichen Theologie. Es gibt aber auch das selbstvergessene, staunende, forschende und bewundernde Knien. Diese Art der Hingabe hat eine völlig andere Qualität als die angstvolle Unterwürfigkeit, weil sie ganz ohne Angst und voll Vertrauen ist (Eph 3,14-21).

Das vertrauensvolle Erwarten hält daran fest, dass die Durstrecken, in denen uns die Erfüllung unserer elementaren Lebensbedürfnisse verwehrt ist, immer nur ein vorübergehender Durchgang auf der rechten Straße zur grünen Weide und zum frischen Wasser sind, mit Psalm 23 gesprochen. Das Vertrauen in Jesus lohnt sich. Wie die Schalen eines Brunnens empfangen wir aus seiner Fülle Lebenswasser und es fließt aus uns wieder über zu den Andern. Ausdruck des Erfülltseins ist die Dankbarkeit (Joh 7,37-39).

Die Hauptwirkung des Heiligen Geistes in uns ist die unerschütterliche Überzeugung der absoluten Vertrauenswürdigkeit Gottes. Diese Überzeugung ist stets angefochten, mitunter auf extremste Weise. Gott zu lieben bedeutet darum nicht, den Zweifel zu verdrängen, sondern sich sehr nach seiner Überwindung zu sehnen. Sie ist uns zugesagt. Darin, dass wirklich nichts mehr zwischen Mensch und Gott steht, weil der Mensch völlig von der Vertrauenswürdigkeit Gottes, seiner Liebe also, überzeugt ist, liegt Sinn und Wesen des Neuen Testaments (Jer 31,31-34).

Wenn Jesus vom Beten redet, meint er etwas anderes als das, was meist darunter verstanden wird. Die gängige Vorstellung vom Beten bildet sich an der Vorstellung des despotischen Angstgottes: Man muss etwas dafür tun, dass er gnädig wird, ist und bleibt. Man darf aber zugleich auch an seiner Gnade keinen Zweifel haben, weil man ihn sonst sehr beleidigen würde. Alle Gebetserhörungen sind davon abhängig, ob er seinen Daumen nach oben oder unten richtet. Das Beten hingegen, von dem Jesus spricht, ist Ausdruck der Stimmigkeit, entstehend aus der Erkenntnis dessen, was jetzt „dran“ ist. Es sucht nach dieser Erkenntnis, ergreift sie dankbar und handelt danach. An dem, was dran ist, gibt es keinen Zweifel. Diese Erkenntnis ist Übereinstimmung unseres Geistes mit Gottes Geist: Inspiration. In den seltesten Fällen handelt es sich dabei um etwas Sensationelles. Entscheidend kommt es auf den jeweils nächsten Schritt an, der oft gar nicht großartig, unsicher und korrekturbedürftig ist und gar nicht weit voranbringt. Es kommt nur darauf an, dass wir überhaupt auf dem Weg vorankommen, der uns beschieden ist (Joh 14,15-21).

Alle Dinge müssen denen zum Besten dienen, die Gott lieben. Gott zu lieben bedeutet, unbeirrt am absolut positiven Bild von ihm festzuhalten: Gott ist für uns und er kann gar nicht gegen uns sein. Gott meint es nicht nur gut, sondern er macht es auch gut. Es lohnt sich unbedingt, ihm unser ganzes Vertrauen zu schenken. Mit dem absolut positiven Gottesbild ist uns das beste Fundament einer absolut positiven Lebenseinstellung gegeben. Positiv ist sie nur wirklich, wenn sie auch realistisch ist. Realismus bedeutet, sich den Gegebenheiten so zu stellen, wie sie sind. Positiv gehen wir mit der Realität um, wenn wir sie nicht ablehnen, sondern, wie schwer es auch sei, als Herausforderung verstehen, die wir mit der spirituellen Energie des Heiligen Geistes bewältigen werden (Rö 8,26-30).

Vorschläge zur Vertiefung
  • Wie haben Sie bisher gebetet? Gibt es aufgrund der Texte dieser Woche Anlass für Sie, Ihre Gebetspraxis zu verändern? Wie?
  • Worauf warten Sie? „Hoffnung lässt nicht zuschanden werden“, schreibt Paulus (Rö 5,5). Wo ist die Hoffnung in Ihnen, von der Sie wissen, dass sie Erfüllung findet? Wie lässt sie sich beschreiben? In welche Richtung zieht Sie diese Hoffnung?
  • Was bedeutet für Sie „Stimmigkeit“? Wie erkennen Sie in einer konkreten Situation das Stimmige? Sehen Sie Möglichkeiten, die Wahrnehmung des Stimmigen noch zu intensivieren? Welche?



E-Mail: info@isa-institut.de       Datum der letzten Änderung: 12.05.2018