Rogate
Leitmotiv: Das Gebet
Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ Psalm 66,20

Dienstag: Lukas 11,5-13

Im Gebet geht es nicht darum, Einfluss auf Gott zu nehmen, um ihn gnädig zu stimmen. Diese Anschauung des Betens ist aber sehr verbreitet: Je mehr und intensiver ich bete, desto größer die Chance, dass ich bekomme, was ich möchte. Das Gebet „bewegt Gottes Arm“. Trotz dieses Einflusses bleibt Gott aber willkürlich in seinen Entscheidungen, das Gebet zu erhören oder nicht. Man versteht es nicht, warum er einmal den Daumen nach oben streckt und ihn das andere Mal nach unten richtet, aber was will man machen? Man ist eben abhängig von ihm. Ist man nachlässig im Beten, braucht man erst recht nicht zu erwarten, etwas von Gott zu bekommen.

Das intensive und beharrliche Beten für konkrete Gebetsziele pflegen wir für das Zeichen unseres besonderen Vertrauens zu halten. Um so enttäuschter sind wir dann, wenn Gott gerade solche Gebetsprojekte nicht nach Wunsch beantwortet.

Wenn es sich bei diesen Gebetszielen um echte Bedürfnisse handelt, ist ein Gott, der auf diese Weise erst zum Handeln bewegt werden muss, ein zynischer Despot. Die Bilder dieses Textes und vor allem auch die Geschichte von der Witwe und dem ungerechten Richter (Lk 18,1-8) scheinen das sehr nahezulegen. Sie wollen aber von einem absolut positiven Gottesbild her verstanden werden.

Ein weiteres Bild mag die Brücke dorthin bauen: Wenn sich eine Hummel durch ein geöffnetes Fenster in ein Zimmer verirrt und an einem anderen Fenster landet, das geschlossen ist, hat sie das dringende Bedürfnis, den Raum durch diese Scheibe wieder zu verlassen. Sie fliegt bis zur Erschöpfung ständig wieder neu dagegen an. So sieht unser Gebet aus, wenn es zur Klage wird: Es kann nicht sein, dass Gott uns nicht hilft. Er muss sich erbarmen, weil sein Wesen barmherzig ist. Wir erbarmen uns über die Hummel, indem wir sie vorsichtig mit einem Blatt Papier zu einem offenen Fenster bugsieren. Die Hummel reagiert aber mit Todesangst und wehrt sich dagegen, weil sie nur diesen einen Ausweg kennt. So antwortet Gott auf unsere Klage: Wir sind fixiert auf ein bestimmtes Ziel, das wir für die Erfüllung unseres Bedürfnisses halten, und er bringt uns gegen unseren massiven Widerstand dorthin, wo es tatsächlich erfüllt wird.

Es gibt nur zwei Grundformen des Betens, wenn wir von einem absolut positiven Gottesbild ausgehen: Klage und Dank. Wenn einem dankbaren Menschen der Weg versperrt ist, bleibt ihm nur Klage. Wenn die Klage zur Ruhe kommt, weil unser Bedürfnis Erfüllung fand, wenn auch ganz anders, als wir dachten, bleibt nur Dank.



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