Kantate
Leitmotiv: Die singende Gemeinde
Wochenspruch: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Psalm 98,1

Montag: Kolosser 3,12-17

Sich etwas anzuziehen heißt sowohl sich in etwas hineinzubegeben als auch etwas in Anspruch zu nehmen. Das, wo hinein ich mich begebe, steht schon zur Verfügung. Das Kleid mit dem wunderbaren Stoff aus den Fasern Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld und Vergebungsbereitschaft liegt schon fertig gewebt vor, ich muss es mir weder weben noch nähen, ich muss es nur gebrauchen. Es ist auch kein Kleid wie „des Kaisers neue Kleider“, das es nur als Illusion gibt.

Dieses Kleid besteht aus Untergewand und Obergewand: Über alles sollen wir die Liebe ziehen. Für „Liebe“ ist hier das Wort „Agape“ gebraucht: die Liebe Gottes, die er uns schenkt, die darum auch göttliche Liebe ist, nicht unsere eigene, sondern die Liebe des Heiligen Geistes unserer Vertrauensbeziehung zum dreieinigen Gott. Unterschied und Reihenfolge sind ernst zu nehmen. Der Stoff des Untergewands mit jenen Fasern besteht aus der menschlichen Liebe „Philia“. Erst wenn wir die Möglichkeiten unserer menschlichen Liebesfähigkeit allen Ernstes in Anspruch nehmen, liegt auch das Obergewand der göttlichen Liebe für uns bereit. Wenn wir diese Reihenfolge leugnen, dient uns der Glaube nur zur Kompensation der eigenen Verantwortungslosigkeit: Wir delegieren unsere eigene Verantwortung an Gott. Wir kompensieren unsere Lieblosigkeit durch die Liebe Gottes. Aber so werden tatsächlich des Kaisers neue Kleider daraus, denn die Liebe Gottes, in die wir uns hüllen, ist nur der Schein der frommen Lüge, Heiligenschein der Scheinheiligkeit.

Wenn aber beides vorhanden ist, die Reihenfolge und die Entschlossenheit des Hineinbegebens und Inanspruchnehmens, dann wird das Obergewand zum Wesentlichen, auf das sich unser ganzes Streben ausrichtet. Der Friede Gottes klingt zusammen mit dem Frieden in uns selbst, sein Friede verschmilzt mit unserem Frieden zu harmonischer Einheit. Die Mühe weicht der Dankbarkeit, die Liebe schwingt sich ein, wird schön und leicht, das Wort wird zum Gesang, das Handeln zur Musik. Wenn so die ganze Welt in Schwingung kommt, ist sie am Ziel. Dann singt die ganze Schöpfung. Wenn wir ganz hinein gelangt sind in die Liebe, ist das ganze Leben Lobpreis, schwingende, singende, klingende Dankbarkeit, wahrhaftige Anbetung. Dann ist Gott alles in allem. Soli deo gloria.



E-Mail: info@isa-institut.de       Datum der letzten Änderung: 28.04.2018