Kantate
Leitmotiv: Die singende Gemeinde
Wochenspruch: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ Psalm 98,1

Mittwoch: Apostelgeschichte 16,23-40

Der Glaube versetzt nicht nur Berge, er öffnet auch Gefängnistüren. Er bahnt einen Weg in der Ausweglosigkeit. Paulus und Silas begegnen dem grausamen Schmerz der harten Auspeitschung, der entsetzlichen Demütigung durch das gewaltsame Unrecht, der extremen Einengung und der hochgradigen Lebensbedrohung mit dem radikalem Widerstand des Gottvertrauens. Da hat sich der Sorgenlöwe wirklich ganz groß vor ihnen aufgebaut und brüllt markerschütternd. Sie bieten ihm die Stirn. Sie halten stand.

Darum kehren sich die Verhältnisse um. Die Gefangenen sind frei, die Gebeutelten sind ruhig, aber die Gewalttäter werden von der Angst gepackt, geraten völlig durcheinander, rufen verzweifelt um Hilfe.

Die Umkehrung der Verhältnisse endet nicht in der Erfahrung, gerade noch mal davongekommen zu sein: Der zweite Teil dieser Geschichte zeigt, dass sich Paulus und Silas überhaupt nicht von diesen Unrechttätern einschüchtern ließen. Der Berge versetzende Glaube entfaltet seine Kraft nur dann, wenn er eins ist mit lebendigem Selbstbewusstsein. Es kommt entscheidend darauf an, wenn wir seine Wirkung erfahren wollen, dass wir klar unterscheiden zwischen dem, was uns selbst zusteht und was nicht, und das, was uns zusteht, auch in Anspruch nehmen. Das, was uns zusteht, ist nichts anderes als die notwendig andere Seite unserer Verpflichtung der Umwelt gegenüber. Anders gesagt: Was ihr von uns zusteht, hat eine Innenseite: Das, was uns von ihr zusteht. Nur wenn beides zusammenkommt, kann man von wahrgenommener Verantwortung reden.

Der Weg der Verantwortung ist der Weg der Berufung. Dieser Weg ist immer konkret. Nur wenn wir auf dem Weg der Verantwortung sind, können wir bitten, was wir wollen, und es wird uns widerfahren. Sehr vieles Beten bleibt ohne Wirkung, weil es die Eigenverantwortung ersetzt.



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