Palmarum
Leitmotiv: Der Passionsweg
Wochenspruch: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.” Johannes 3,14-15


Sonntag: Johannes 12,12-19 (Evangelium)

Es ist erstaunlich, dass die Menge es wagt, Jesus als König Israels zu bejubeln. Das war eine extreme Provokation für die Machthaber. Heute würde man Demonstration dazu sagen. Es war eine verbotene Demonstration unter hohem Risiko.

Jesus macht mit bei dieser Demonstration. Das lateinische „demonstrare“ heißt „zeigen“. Jesus zeigt dadurch, dass er sich den Esel als Reittier wählt, die Bedeutung dieses Einzugs in Jerusalem. Jeder Bibelkenner konnte die Symbolik begreifen. Jesus beanspruchte für sich, tatsächlich der von Sacharja einige Jahrhunderte zuvor angekündigte Friedenskönig zu sein.

Die Jünger konnten das wohl in diesem Moment nicht verstehen und die Schriftgelehrten, die den Zug misstrauisch und buchstäblich von oben herab beäugten, wollten es nicht. Auch die Menge verstand es offenbar nicht, sonst wäre sie nicht so leicht einzuschüchtern und umzustimmen gewesen.

Die Jünger konnten es nicht verstehen, weil ihre Wahrnehmung durch die Fantasien beschlagnahmt war, die sie sich von dem machten, was jetzt kommen würde. Es scheinen Fantasien zwischen nackter Angst und großartiger Heldenhaftigkeit gewesen zu sein. Sehr wahrscheinlich dominierte die Angst. Die scheinbar heroische Aggression des Petrus war ja auch nur eine Variante der Angst nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Darum konnte auch sein forsches und sehr gewagtes Vorpreschen bis in den Hof des Hohenpriesters so plötzlich in Panik umschlagen. Die Schriftgelehrten wollten es nicht verstehen, weil es nicht in ihr Bild passte, obwohl sie theologisch bestens in der Lage dazu waren, das Zeichen des Esels angemessen zu deuten. Sie hatten ihr Urteil schon gefällt. Die Menge verstand es nicht, weil sie auf das Sensationelle fixiert war und nicht auf die Bedeutung. „Sensation“ kommt vom lateinischen „sens“; die „senses“ sind die Sinne. Sensation ist das, was die Sinne beeindruckt. Das Sensationelle bringt die Menge in Aufwallung, aber von der Bedeutung, die es hat, bleibt sie unberührt.



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